Chronik VI: Zeitalter der Stille

Vom Imperium der Barbaren

Unter der Führung Kerashaks zogen die Barbaren gegen die Hochkulturen Sonedes‘ ins Feld. Die Barbaren von Kerashaknar, wie sie sich nun nannten, überrannten die Grenzbastionen und griffen als erste der großen Städte das an der Küste gelegene Heragon an. Auch die Zwillingsfestungen von Uras und Uraton fielen der mordenden und plündernden Barbarenstreitmacht zum Opfer.

Während Stadtmenschen, Zwerge und Elfen sich über das Vorgehen gegen die Barbaren uneins waren, entsandten diese auf der Suche nach eigenen Verbündeten Boten in den Norden und nach Darandia. Die Orks, die seit der Herrschaft der Drachen in den Raughspitzen ihr Dasein gefristet hatten, reagierten auf den Ruf und marschierten in den Süden, um sich dort mit den Heeren Kerashaknars zu vereinen. Dabei hinterließen sie eine Schneise der Verwüstung.

Am Fuße der Südzinnen kam es zur großen Entscheidungsschlacht zwischen den verbündeten Stadtstaaten und dem Heer aus Barbaren und Orks. In den mehrtägigen Kämpfen zeigte sich erneut die Uneinigkeit der eigentlich überlegenen Völker und so ging das Heer Kerashaknars siegreich hervor. Sie töteten ihre Gegner ausnahmslos und das vergossene Blut färbte die Erde des Schlachtfeldes noch über Jahrhunderte rot.

Nach dem Sieg über die Allianz der Menschen, Elfen und Zwerge teilten die Barbaren und die Orks das Land unter sich auf. Aus ihrem Bündnis heraus entstanden auch die ersten Halborks, die je nach dem ihrem orkischen oder menschlichen Erbe folgten. Die Orks besetzten den Südosten von Sonedes um die Zacken Bardaloths und dehnten sich bis zur Nasdad-Halbinsel aus. Dort stießen sie auf ein der Welt bisher völlig unbekanntes Volk. Über Jahrtausende hatten die klein gewachsenen Halblinge auf der relativ isolierten Halbinsel gelebt und eine völlig eigenständige Kultur entwickelt. Ohne Kenntnis von anderen Völkern oder deren Kriegen waren die friedfertigen Halblinge dem orkischen Vorstoß schutzlos ausgeliefert. Die Orks plünderten oder vernichteten das gesamte Hab und Gut, zerstörten eine tausende Jahre alte Kultur binnen weniger Tage und verübten unbeschreibliche Gräueltaten an dem kleinen Volk. Die überlebenden Halblinge flohen nach Norden und versteckten sich in den noch weitgehend unberührten Westwäldern. Dort trafen dann die ersten Menschen auf Angehörige des kleinen, bisher unbekannten Volkes. Währenddessen zogen die Barbaren Kerashaknars weiter plündernd, brandschatzend und mordend durch die Lande.

Sowohl auf Sonedes als auch Darandia war diese Epoche von unglaublichen Grausamkeiten geprägt. Kulturgüter von unermesslichem Wert, Artefakte und ganze Städte wurden zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. Es gab keinerlei kulturelle Errungenschaften und die noch von der Isolation in den Sümpfen gezeichneten Barbaren unterjochten die anderen Völker erneut, wie es einst ihre Herren, die Drachen getan hatten.

Nach 500 Jahren der Stille sollte aber auch die Herrschaft des Barbarenimperiums ein Ende finden. Die Orks erhoben Ansprüche auf fruchtbares Land außerhalb ihres Gebietes. Das Bündnis zwischen ihnen und den Barbarenfürsten zerbrach als letztere die orkischen Besitzungen angriffen. Der furchtbare Feldzug forderte auf beiden Seiten hohen Tribut. Die einst große Streitmacht der Barbaren hatte sich in unzähligen Gemetzeln gegen die Orks aufgerieben und die Vertreter der unterjochten Städte und Völker sahen erneut ihre Stunde gekommen. Die Überreste der Barbaren hatten der nun wieder vereinten Kraft von Menschen, Elfen und Zwergen nichts mehr entgegen zu setzen und das Barbarenimperium von Kerashaknar verschwand ebenso schnell, wie es gekommen war.

Written by Seldar Staff on Sonntag 6 September 2015
Permalink