Chronik VII: Zeitalter des Handels

Vom terrestrischen Seebund

Nach dem Fall des Barbarenimperiums zogen sich die Elfen in die Tiefen ihrer Wälder und die Zwerge unter die Berge zurück. Dort widmeten sie sich lange Zeit bevorzugt ihren eigenen Belangen. Während die Zwerge sich vor allem dem Bergbau, der Schmiede- und der Braukunst widmeten, vertieften die Elfenvölker ihr Verständnis der Natur und der Magie. An der Oberfläche bauten die Menschen ihre von den Barbaren zerstörten Städte wieder auf. Wenngleich viele Errungenschaften der alten Zeit für immer verloren waren, waren es nun vor allem die Menschen, die das weitere Geschehen auf Era bestimmen sollten.

Die überlebenden Halborks – ein Erbe der Allianz zwischen den menschlichen Barbarenstämmen und den Orkheeren – wurden wo immer man sie sah, vertrieben oder getötet und so flohen die meisten von ihnen vor dem Zorn und Misstrauen der anderen Völker in die Sümpfe Sonedes‘ und Darandias. Viele Halblinge, die von den Orks aus ihrer einstigen Heimat vertrieben worden waren und sich nicht wie andere ihres Volkes in die Tiefen der Westwälder zurückziehen wollten, schlossen sich den Menschen an. In den wieder aufgebauten Städten fanden die einfallsreichen Halblinge bald lukrative Nischen und passten sich der für sie neuen Welt der „großen Leute“ schnell an. Auch die Gnome kehrten in großer Zahl in die menschlichen Städte zurück und halfen beim Wiederaufbau ihrer eigenen Viertel.

Anstelle der früheren Stadtstaaten gründeten die Menschen nun erste kleinere Reiche. Im Norden von Sonedes stiegen die aldanischen Fürsten auf, in der Region um Cendaric das seldarische Fürstengeschlecht unter Tjaron und im Norden Darandias der kelsarische Adel. Nachfahren der Barbaren Kerashaknars hatten etwa ein Jahrhundert zuvor in einer Wüstenoase die Stadt Calshan gegründet und der Handel zwischen den Menschenreichen, aber auch mit Zwergen und Elfen begann zu florieren.

In diesem Zeitalter des Handels schlossen sich findige Kaufleute - darunter auch viele Halblinge - aus allen Regionen zusammen, um die Interessen von Händlern und Handwerkern zu schützen. Der so genannte terrestrische Seebund sollte das Geschehen auf Era für die nächsten Jahrhunderte maßgeblich bestimmen.

Die Küstenstadt Heragon, sowie die wieder aufgebauten Zwillingsfestungen von Uras und Uraton wurden zu den ersten Hochburgen des Seebundes, der sein Handelsnetz binnen eines Jahrzehnts über fast ganz Sonedes und weite Teile Darandias ausdehnte und zu diesem Zweck ein weitreichendes Straßennetz anlegen ließ. Durch den Handel wurden die Vertreter des Seebundes immer reicher und sie nutzten diesen gewonnenen Reichtum, um ihre Macht auszudehnen.

Die Fürstentümer von Aldanis, Seldar und Kelsar, sowie die Wüstenstadt Calshan wurden durch Drohungen oder Bestechung zum Beitritt gezwungen. Zahlreiche neue Hafenstädte wurden gegründet, darunter 291 vor Eldarans Fall Deyra, östlich von Aldar und 245 vor Eldarans Fall Zendill an der neu angelegten Nordstraße, die eine direkte Verbindung zwischen den Fürstentümern Seldar und Aldanis schuf. Deyra wurde zu einem der wichtigsten Umschlaghäfen und Sinnbild für die Macht und den Reichtum des Bundes. Viele sahen zu dieser Zeit in Deyra das neue Zentrum Eras.

Je mächtiger der Seebund wurde, umso mehr verloren die Fürstenhäuser an Macht. Als Späher des Bundes im Jahre 200 vor Eldarans Fall reiche Erzvorkommen in den Nordzinnen entdeckten, wurde die Minenstadt Dymoras gegründet. 118 vor Eldarans Fall begann mit großzügiger Unterstützung der Vertreter des Bundes der Bau der mächtigen Zitadelle von Aldar. Mit dem schier unerschöpflichen Vorrat an hochwertigen Erzen, einer mächtigen Flotte an Handels- und Kriegsschiffen und angesichts eingeschüchterter oder gekaufter Fürstenhäuser schien der terrestrischen Seebund praktisch unbezwingbar.

45 vor Eldarans Fall jedoch bestieg ein neuer Fürst den seldarischen Thron in Cendaric. Eldaran war sein Name und angesichts der Vormachtstellung des Seebundes schien es für den Fürsten eines so einflusslosen Herrscherhauses unmöglich, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern. Doch Eldaran träumte von einem starken Reich, das ein Gegengewicht zum dominierenden Seebund sein sollte. Zur Verwirklichung dieses Traumes ließ er ein Heer aufstellen und in einer Werft westlich von Cendaric Kriegsschiffe bauen – sehr zum Missfallen der Vertreter des Bundes.

Im Jahre 38 vor Eldarans Fall hatte der Fürst die Hafenstadt und Fort des Bundes Zendill, sowie die angeschlossene Bergbaustadt Dymoras von seiner Sache überzeugt und gemeinsam mit Cendaric traten sie aus dem terrestrischen Seebund aus. Die offiziellen Vertreter des Bundes wurden in Cendaric enthauptet, die terrestrische Flotte, die in Zendill vor Anker lag in Brand gesetzt und vollständig vernichtet.

Die Kunde von diesem Ereignis verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf ganz Sonedes und bis nach Darandia. Die vom Seebund bisher mit Gold und Gewalt im Zaum gehaltenen Fürsten sahen dadurch ihre Stunde gekommen. Die Fürsten von Aldanis und Kelsar wollten sich Eldarans Bemühungen anschließen und sie gründeten eine Allianz. Zu Beginn des Jahres 35 vor Eldarans Fall erklärte das Bündnis der Fürstentümer dem terrestrischen Seebund schließlich offen den Krieg.

Written by Seldar Staff on Sonntag 6 September 2015
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