Chronik VIII: Zeitalter des Grossen

Von der Herrschaft Eldarans I.

Der „Aufstand des Volkes“ begann mit der Vereinigung der Heere von Seldar und Aldanis. Von Zendill an der Nordstraße aus marschierte das vereinte Heer gen Süden, um sich mit den kelsarischen Truppen zu treffen, die bereits nach Sonedes übergesetzt hatten. Allerdings blieben auch die Anführer des Seebundes nicht untätig. Die Milizen aus allen Städten des Bundes, die bisher den Willen und die Verträge der Händler durchgesetzt hatten, wurden um teure Söldnerkompanien ergänzt mit denen der vereinte Vormarsch und vor allem das Aufeinandertreffen der beiden Heere aus Norden und Süden verhindert werden sollte. Auf dem Weg zu den mächtigen Zwillingsfestungen von Uras und Uraton traf das seldarisch-aldanische Heer schließlich an den südöstlichen Ausläufern der Südzinnen – den so genannten Schattenkämmen – auf ein Heer des Seebundes. Der Nachschub an Söldnern aus Uras und Uraton machte es dem Heer Eldarans schwer die Oberhand zu gewinnen, doch der Fürst von Cendaric wendete mit Taktik und Heldenmut ein ums andere Mal das Glück der Schlacht zu Gunsten der Befreiungsarmee und verdiente sich so den Ruf eines großen Heerführers. Schließlich traf rechtzeitig die kelsarische Verstärkung vom urasischen Tiefland aus ein und das terrestrische Heer wurde besiegt.

Nach diesem ersten glorreichen Sieg berieten sich die drei Fürsten in einem Feldlager am Fuße der Südzinnen über das weitere Vorgehen ihres nun beträchtlichen Heeres. Man entschied, dass der Erfolg am sichersten sei, wenn sich die Armeen erneut aufteilten, um alle bedeutenden Außenposten des Seebundes gleichzeitig anzugreifen und seine Macht so endgültig zu brechen. Fürst Eldaran koordinierte die Armeen und sandte Späher aus, die Bewegungen des Seebundes zu überwachen.

Die Kelsaren marschierten zunächst nach Uras und Uraton und belagerten die mächtigen Festungen, die zu den ältesten Bollwerken des terrestrischen Seebundes gehörten. Die Milizen der beiden Städte leisteten erbitterten Widerstand, doch letzten Endes mussten sie sich geschlagen und dem kelsarischen Heer ergeben. Die Vertreter des Bundes wurden dingfest gemacht und nach Sicherung der Städte zogen die Kelsaren weiter Richtung Heragon, einem der großen Häfen des Seebundes.

Die Seldaren brachen derweil in die Wüste auf, um dort Calshan zu besetzen, das ebenfalls dem Seebund angehörte. Wie Cendaric, Aldar und Kelsarstadt war auch Calshan in den Bund gezwungen worden, sodass Eldaran und seine Armee nach siegreicher Schlacht von den Bewohnern der Stadt als Befreier gefeiert wurden. Ein Bürgerrat versicherte der seldarischen Armee die Loyalität Calshans und man überließ die Offiziellen des Seebundes der Obhut der calshitischen Bürgermiliz.

Das aldanische Heer zog unterdessen zurück in das heimische Fürstentum im Norden, vertrieb die Vertreter des Bundes aus Aldar und den anderen Städten und marschierte schließlich gen Deyra. Nach heftigen Kämpfen mit hohen Verlusten auf beiden Seiten wurde schließlich die Hafenanlage der Stadt von den Aldanern gestürmt und zerstört. Das Juwel des Seebundes war zerschlagen. Aldanische Späher entdeckten jedoch, dass die Kriegsflotte des Bundes kurz vor dem Fall Deyras ausgelaufen war und sich nun auf dem langen Weg nach Süden befand.

Während die Kelsaren Heragon belagerten und schließlich zu Fall brachten, ließ Eldaran auf die Nachricht der Aldaner hin die seldarische Flotte von Zendill aus in See stechen und zog gleichzeitig mit seinem Heer in Richtung Delomar, einer Bergfestung des Bundes gegen Übergriffe der Orks. Seldarische Späher hatten herausgefunden, dass sich der große Rat des terrestrischen Seebundes in jener als uneinnehmbar geltenden Festung verschanzt hatte. Unter großen Mühen kämpfte sich das seldarische Heer durch die Calshanwüste und die Sümpfe von Uragon bis zur Delomar See am Südzipfel von Sonedes. Dort harrte die Armee aus bis die terrestrische Flotte die Bucht erreichte und dort vor Anker ging.

Einen halben Tag bevor die seldarische Flotte die Bucht erreichen sollte, griff Eldaran in einem Geniestreich mit seinem Heer die Festung frontal an. Von dem überraschenden Angriff und taktisch klugem Vorgehen der Seldaren vollkommen überrumpelt, konnten die Verteidiger der Festung diese kaum halten. In einem verzweifelten Versuch ihren Verbündeten zur Hilfe zu eilen, verließ ein Großteil der Schiffsbesatzungen die Schiffe des Bundes. Als die bedeutend kleinere seldarische Flotte kurz darauf wie geplant in die Bucht einbrach, konnte sie die ganze hilflose Flotte mit Leichtigkeit entern oder versenken.

Mit der Zerstörung der terrestrischen Kriegsflotte war die Macht des Seebundes endgültig gebrochen. Eldaran und seine Männer nahmen nun im Handstreich die Festung ein und nahmen die Ratsmitglieder fest, um sie nach Cendaric zu bringen. Zum Zeichen, dass der Bund sich vor den Freiheitsbestrebungen des Volkes nicht verstecken konnte, wurde die Festung bis auf die Grundmauern abgetragen.

Die Nachricht vom Fall des terrestrischen Seebundes verbreitete sich auf Sonedes und bis nach Darandia wie ein Lauffeuer. Unter dem Jubel der Massen wurden die Vertreter des Bundes in Cendaric auf dem Markt aufgeknüpft.

Sowohl der kelsarische als auch der aldanische Fürst erkannten die Leistungen Eldarans im Krieg gegen den terrestrischen Seebund an und trugen ihm die Krone eines großen seldarischen Königreiches an. Seine Krönung fand am Ende des Jahres 35 vor Eldarans Fall in Cendaric statt. Aldanis und Kelsar wurden zu treuen aber weitgehend unabhängigen Provinzen des Reiches und Calshan unterhielt seinerseits enge Beziehungen zur Krone. Aufgrund seiner Rolle im „Freiheitskrieg“ wie viele den Kampf gegen den terrestrischen Seebund auch nannten, wurde Eldaran bereits zu Lebzeiten der Titel „der Große“ verliehen.

Die Krönung Eldarans zum König leitete eine Zeit des Wohlstands und des Friedens ein. Was während des Krieges zerstört wurde, wurde wieder aufgebaut und das alte Straßennetz des Seebundes wurde für neuerlichen, freien Handel innerhalb und außerhalb des Königreichs genutzt. Anstelle des Hafens von Delomar wurde weiter nördlich die Stadt Tarsik in der gleichnamigen Bucht gegründet. Dieser Hafen sollte fortan eine schnelle Verbindung zwischen Kelsar und dem Rest des Königreiches ermöglichen. Kunst, Kultur, Religion und Wissenschaft wurden vom König gefördert und die Städte des Königreichs standen all jenen offen, die guten Herzens waren.

Zahlreiche Lieder und Gedichte wurden dem König noch zu Lebzeiten gewidmet, in denen seine unvergleichlichen Taten gerühmt wurden. Wie Eldaran die Tempel der Fünf auf dem Markt von Cendaric aufwendig restaurieren ließ, wie er einen Teil der Speisen seiner Residenz an die Armen verteilen ließ, wie er einheitliche Gesetze für das ganze Reich erließ, wie er in jeder größeren Stadt Akademien und Bibliotheken errichten ließ oder wie er mutig gegen einen grausamen Kult von Ketzern vorging und die Kirchen in ihrer heiligen Pflicht unterstützte.

Nach seinem Tod entstanden noch viel mehr Legenden über Eldaran, der seit jeher als Inbegriff von Stärke und Macht des „alten Reiches“ galt. In der tiefen Trauer um den geliebten Fürsten beschloss man, die Zeitrechnung nun ab dem Tod des großen Königs zu zählen, der sie alle in die Freiheit geführt hatte.

So endete das Zeitalter des Großen mit dem Tod des größten Königs, den Era je gesehen hatte und dem Wunsch des Volkes, dass er eines Tages zu ihnen zurückkehren würde. Gleichzeitig markierte es den Beginn einer neuen Zeit mit einer neuen Zeitrechnung.

Written by Seldar Staff on Sonntag 6 September 2015
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