Chronik X: Zeitalter der Morde

Vom Aufstieg Kelsars

Im Jahre 120 nach Eldarans Fall bestieg Tjaron II., ältester Sohn Varons V. den Thron des seldarischen Königreiches. Die Hoffnung seines jüngeren Bruders Marnak eines Tages selbst einmal die Krone zu tragen, wurde jäh zerstreut als die Königin noch im Jahr der Krönung Tjarons II. nach zahlreichen Fehlgeburten einen gesunden Sohn (Tjaron III.) zur Welt brachte.

Mit der Hilfe seines Paten Arthur Gratas, seines Zeichens Oberhaupt einer der mächtigen kelsarischen Adelsfamilien und ihres Handelsimperiums, wähnte Prinz Marnak sich stark genug, seinen Bruder vom Thron zu stoßen und sich selbst zum seldarischen König zu krönen. Trotz der Unterstützung aus dem kelsarischen Fürstentum scheiterte der Umsturzversuch am Widerstand der Königsgarde und der seldarischen Armee und Marnak und seine Anhänger mussten aus Cendaric fliehen. Erst nach der Flucht des Prinzen erkannte man, dass er das legendäre Tjaronschwert, das Schwert der seldarischen Könige gestohlen hatte.

In der Folge wurden die Gratas aus den Kreisen des Adels verbannt und ein Großteil ihres Vermögens sollte direkt der Schatzkammer des Königreiches zugeführt werden. Marnak wurde offiziell aus der Königsfamilie ausgestoßen. Mit der kleinen Flotte mit der Arthur Gratas und seine Truppen nach Sonedes gekommen waren, gelang Marnak die Flucht nach Darandia. Allerdings nicht ohne Verluste. Das Flagschiff der Flotte, die Sar Manus, lief auf ein Riff auf und sank schließlich mit dem Großteil der Besatzung an Bord. Mit dem Schiff versank auch das legendäre Tjaronschwert in den Weiten des Nephron. In Cendaric verbreitete sich die Kunde davon, dass auch Marnak und Arthur Gratas in den Fluten umgekommen waren.

Trotz aller Widrigkeiten gelangte Marnak unbeschadet in die Hauptstadt des kelsarischen Fürstentums. Obwohl die Gratas ihren Adelstitel und einen erheblichen Teil ihres Vermögens verloren hatten, gehörten sie nach wie vor zu den einflussreichsten und am besten informierten Familien Kelsars. Man nahm sich Marnaks erneut an und führte ihn als einen Sohn der Familie in den höchsten Kreisen des Fürstentums ein, wo er rasch zu großem Ansehen gelangte.

Durch zahlreiche Intrigen gelangte der unter falschem Namen agierende Marnak schließlich an Victor Cherm, oberster Fürst und vom König eingesetzter Protektor Kelsars, heiratete dessen Tochter und wurde als offizieller Erbe eingesetzt. Wenige Jahre später verstarb Fürst Cherm plötzlich an einem Krampfanfall hinter dem Viele Gift vermuteten.

Nachdem Marnak im Jahre 132 nach Eldarans Fall offiziell zum kelsarischen Fürsten ernannt worden war, offenbarte er seine wahre Identität, erklärte sich selbst zum Herrscher eines kelsarischen Imperiums und spaltete dieses damit vom Rest des Reiches ab. Die Zeit des großen seldarischen Königreiches war damit beendet.

In dem Versuch die Ordnung wiederherzustellen, versuchten die in Kelsar stationierten und König Tjaron II. treu ergebenen Gardisten des tot geglaubten Marnaks habhaft zu werden. Doch ihre Bemühungen wurden von einer überwältigenden Mehrheit kelsarischer Truppen, die auf der Seite des selbst ernannten Imperators Marnak standen, vereitelt.
In der Folge wurde jeder, der dem neuen Herrscher nicht die Treue schwor von Marnaks Schergen oder Attentätern der Gratas ermordet oder gefoltert.

Als die Nachricht von Marnaks Umsturz schließlich das seldarische Kronland und Cendaric erreichte, war Marnaks Macht in Kelsar bereits gefestigt und eine mächtige Seeblockade im Dunkelmeer verhinderte, dass die seldarische Flotte nach Darandia übersetzen konnte.

Während Tjaron II. auf Sonedes versuchte weitere innere Unruhen zu besänftigen, die durch die Abspaltung Kelsars hervorgerufen wurden, setzte Marnak zu einem Eroberungsfeldzug über ganz Darandia an. Jeglicher Kontakt zwischen Sonedes und Darandia brach über lange Zeit ab und es wurden keine weiteren Versuche unternommen, Kelsar wieder dem seldarischen Königreich zuzuführen. Es heißt, Tjaron II. habe trotz all seiner Taten nicht gegen seinen jüngeren Bruder kämpfen wollen. Für das seldarische Volk hingegen wurde Kelsar bald zum Inbegriff von Verrat und Hinterhältigkeit.

Im der Abspaltung folgenden Jahrzehnt gelang es Marnak beinahe den gesamten Kontinent zu erobern und die Bewohner entweder zu unterwerfen oder sie zum Rückzug in abgelegenere Gebiete zu zwingen. Einzig einige Zwergen- und Elfenstädte widersetzten sich erfolgreich der kelsarischen Streitmacht, zogen sich aber als Folge der Eroberungen tiefer unter die Erde oder in die Wälder zurück.

Im Jahre 142 nach Eldarans Fall starb Marnak allem Anschein nach eines natürlichen Todes. Viele sagten Marnak jedoch einen Bund mit Bardaloth nach, da er neben dem abgespaltenen Reich auch einen entfesselten Höllenhund hinterließ. Der bereits an die 90 Sommer zählende Arthur Gratas übernahm als nächster die Rolle des kelsarischen Herrschers, sowie die Leine des Höllenhundes und beendete den Eroberungsfeldzug an dessen Ende ganz Darandia zum Imperium gehörte. Als Gratas eines Tages einfach verschwand, begann ein über Jahrhunderte andauernder Streit um den kelsarischen Thron, den die fünf mächtigsten Familien immer wieder untereinander ausmachten. Kaum ein kelsarischer Herrscher starb daher eines natürlichen Todes.

Trotz mancher Uneinigkeit in den eigenen Reihen war das kelsarische Imperium noch nicht am Ende seiner Eroberungspläne. In dem Bestreben die Einheit des großen Reiches unter kelsarischer Vorherrschaft wiederherzustellen, setzte man 152 nach Eldarans Fall, zwei Jahre nach dem Tod König Tjarons II. von Seldar, mit einer mächtigen Streitmacht nach Sonedes über.

Written by Seldar Staff on Sonntag 13 März 2016
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