Chronik XIII: Zeitalter der Hoffnung

Von der Rückkehr der Magie

Mit der Ausrufung des neuen seldarischen Reiches begann ein steter Aufschwung der Siedlungen Zinnengrund und Dymoras, die sich in den Jahren nach der Reichsgründung endgültig von den Kämpfen der vorangegangenen Jahre erholten. Die neuen stabilen Verhältnisse, sowie der Handel mit dem neuen Außenposten der Calshiten im nahe gelegenen Schattendorf – das nun den Namen Samsûn I’Samâlun erhielt – ließen das Reich prosperieren.

Durch zwergische Händler erfuhr man schließlich was sich im Norden Sonedes‘ abgespielt hatte, während die Seldaren die Dunkelelfen und Orks bekämpft hatten. Aldanis war in das aldanische Großkombinat übergegangen, dem neben dem Stammland von Aldanis nun das in den nördlichsten Regionen beheimatete Volk der Vestelander, sowie das ehemalige kelsarische Imperium angehörten. Nach dem Ende des letzten Krieges Seldars gegen Kelsar hatten die Aldaner Spione mit den fliehenden kelsarischen Truppen zurück nach Darandia gesandt, die in den folgenden Jahren in den dortigen Rängen aufstiegen und die Verteidigung des Imperiums von innen heraus gezielt schwächten. Einige Monde nach der Ausrufung des seldarischen Reiches erfolgte dann der finale militärische Schlag der Aldaner gegen das gelähmte kelsarische Imperium und das aldanische Großkombinat war geboren. Obwohl der seldarische Erbfeind damit faktisch geschlagen war, blickte das junge Reich misstrauisch zu dem verräterischen Nachbarn im Norden. Wenngleich Aldanis‘ Machtfülle nun ausreichend war, um das kleine seldarische Reich ebenfalls zu erobern, drangen auch seit der Gründung des Großkombinates kaum offizielle Nachrichten aus dem Norden nach Seldar. Innere Streitigkeiten zwischen dem aldanischen Fürsten Tora Maris, seinen aldanischen Adligen und seinen kelsarischen Beratern – allen voran Indra Token und Arthur Chartem – schienen das an Machtfülle kaum zu übertreffende Reich zunächst handlungsunfähig zu machen.

Caras Ael lag weiterhin in vollkommener Dunkelheit und nur wenige Reisende wagten es, sich der einstigen Stadt der Grauelfen zu nähern. Doch niemand vermochte zu sagen, was genau dort geschehen war, nachdem die Dunkelelfen geschlagen worden waren. Jene Elfen, die aus Caras Ael und den umliegenden Wäldern geflohen waren und sich nahe des Zinnengrunds an einem Wasserfall niedergelassen hatten, verließen die Gestade des seldarischen Reiches nach und nach. Einige gründeten in der Abgeschiedenheit des Dunkelmoores einen Hain, der Großteil von ihnen jedoch zog gen Calad Taen, der Stadt der Hochelfen, die von den Schergen Elviths und anderer finsterer Mächte unberührt geblieben war. Elsymia, Königin der Hochelfen, führte schließlich den Auszug der Elfen von Sonedes an. Niemand, nicht einmal jene Elfen, die sich entschieden hatten auf Sonedes zu verweilen, schien das Ziel der Reise zu kennen. Mit dem Exodus endete die Existenz der Elfen als Volk auf dem nördlichen Kontinent.

Trotz Friedens und Blüte in Kultur und Handwerk erlebte das seldarische Reich bereits in seinen Anfangsjahren einige Erschütterungen. 901 nach Eldarans Fall tauchte ein Manuskript auf, das von einer alternativen Schöpfungsgeschichte erzählte. Da sie die ketzerischen Inhalte des Buches zu verbreiten versuchte, wurde die ehemalige Stadträtin und Schlachtenklerikerin Astaroths, Marie Lunier, eingekerkert. Nach einigen Wochen der Inhaftierung verschwanden die Gefangene und die Reichskanzlerin Cassandra Lunier. Der Rückkehr der beiden folgte ein öffentlicher Diskussionsabend über Religion in der Festung von Vilgarim, dem ein jeder im Reiche beiwohnen konnte. Das ketzerische Buch sollte zur weiteren Untersuchung in den Turm der Magier im Finsterwald überführt werden, verschwand jedoch, bevor es dort ankam. In der Folge tauchten keine weiteren ketzerischen Schriften auf.

Während der Wiederaufbau von Dymoras weiter voran schritt und die Stollen der Salzmine neu erschlossen wurden, verschwanden ab 907 nach Eldarans Fall nach und nach die Mitglieder des Reichsrates. Das junge, verletzliche Reich drohte ohne klare Führung erneut im Chaos zu versinken, sodass sich Hauptmann Shania Lisanis von der zinnengrunder Wache gezwungen sah, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, um die Stabilität des Reiches zu gewährleisten.

Im Jahre 908 besetzte ein Ork-Trupp das Gebiet um die damals ungenutzte Feste Vilgarim. Wächter aus Dymoras und Ordenskrieger des Astaroth aus Zinnengrund schlossen sich zusammen, um die Orks aus dem Reich zu vertreiben. Neben den bis ins Jahr 909 anhaltenden Kämpfen mit den Orks, hielten Gerüchte über eine Rückkehr des Königs das Reich in Atem. Befeuert wurden die Gerüchte durch die Sichtung eines Mannes in Begleitung der Wache von dem niemand zu wissen schien, wer er war oder woher er kam. Nachdem die Orks aus Vilgarim vertrieben wurden, tauchte die nächste Gefahr für das junge Reich auf. Gehörnte Wesen mit Fell, so hoch wie zwei Männer tauchten in der zinnengrunder Mine auf und stahlen Erze. Weitere Sichtungen der Wesen und Begegnungen mit Bürgern des Reiches erwiesen, dass es sich bei den Wesen um Minotauren handelte.

910 nach Eldarans Fall wurden Wahlen für einen Bürgerrat ausgerufen, der die Wache in Verwaltungs- und Regierungsangelegenheiten beraten und einen Grundstein für eine neue zivile Regierung des Reiches setzen sollte. Die Wahlen blieben jedoch erfolglos. Ein Hilfegesuch der Minotauren wurde daher und aufgrund der bisher feindseligen Haltung der Wesen nicht beantwortet.

Um den Verkehr und den Handel zwischen der Hauptstadt und Dymoras zu erleichtern, wurde im Jahre 911 mit dem Bau eines Tunnels begonnen, der unter den Bergen der Nordzinnen hindurchführen sollte. Handwerker aus dem ganzen Reich, darunter auch angereiste Zwerge, beteiligten sich an dem Vorhaben.

Nach weiteren inoffiziellen Kontakten mit den Minotauren wurden 913 nach Eldarans Fall schließlich offizielle Verhandlungen aufgenommen. Inhalt der Verhandlungen war eine mögliche Unterstützung der Minotauren durch das seldarische Reich, die von einem bis dahin unbekannten Feind bedroht und ihrer Ressourcen beraubt wurden. Der Einsturz des im Aufbau befindlichen Nordzinnentunnels, ausgelöst durch eine dämonische Erscheinung zu Bariols Atem 914 nach Eldarans Fall, verzögerte die Verhandlungen mit den Minotauren. Obgleich die Erscheinung ein Einzelfall blieb, wurden die Arbeiten am Tunnel bald darauf eingestellt, da viele der Handwerker die Arbeit nicht fortsetzen konnten oder wollten.

Ab 917 nach Eldarans Fall kam es im Hochland von Nardas und auf den das Reich umgebenden Handelsstraßen immer wieder zu Orksichtungen bis einzelne Truppen schließlich auch ins seldarische Reich selbst eindrangen.

Nach weiteren Verzögerungen wurde 918 nach Eldarans Fall eine Abordnung bestehend aus Wächtern und Bürgern des Reiches zu den Minotauren in den Theramadketten entsandt, um bei der Bekämpfung des unbekannten Feindes zu helfen.
Zu Galias Saat desselben Jahres überfiel eine Heerschar an Orks den Turm der Gilde der arkanen Künste im Finsterwald. Die wenigen dort verbliebenen Magier wurden als Geiseln festgehalten, einigen Gildenmitgliedern gelang jedoch die Flucht nach Dymoras oder Zinnengrund. Da die Orks der Reichsgrenze nun in großer Zahl sehr nahe waren, kam es zu weiteren Scharmützeln. Die Wache setzte alles daran die Pläne der Orks aufzudecken und sie aus dem Finsterwald zu vertreiben. Die schiere Anzahl der Orks, starke Magie und Drachensichtungen in und um das seldarische Reich erschwerten diese Aufgabe jedoch.

919 nach Eldarans Fall wurden die Arbeiten am Nordzinnentunnel wieder aufgenommen. Trotz der lauernden Bedrohung durch die Orks in Dymoras erhielten die Tunnelbauer reichlich Zulauf aus den Reihen der Handwerker und Tagelöhner, sodass er 921 nach Eldarans Fall eröffnet werden konnte. Um die Solidarität des Reiches mit den noch immer gefangenen Magiern im Finsterwald zu demonstrieren, wurde die Gilde der arkanen Künste nach Verhandlungen der Wache mit dem Gildenleiter Xasil Sane zur offiziellen Magierakademie des seldarischen Reiches erklärt.

Die Gerüchte über eine mögliche Rückkehr des Königs wurden ab 922 nach Eldarans Fall durch Aufräumarbeiten in der schon länger ungenutzten Festung Vilgarim befeuert, deren Türme bald wieder das Wappen der alten Könige trugen. Auch tragen nun viele Boten und Herolde im Reich die offiziellen Farben des Reiches oder das Königswappen. Nachdem die Magier im Jahr 923 von den noch immer im Finsterwald sitzenden Orks in die Freiheit entlassen wurden, wurde die Gilde der arkanen Künste neu gegründet. Durch die Freilassung der Magier erhielt die Wache entscheidende Informationen für den Kampf gegen die Orks.

Im Jahr 924 wurde eine Reihe neuer Gesetze verabschiedet, um die Bürger zu schützen und der Situation der Gilde der arkanen Künste und der Magieanwender im seldarischen Reich gerecht zu werden.
Nach jahrelangem Kampf gegen die Orks bündelte die seldarische Wache ihre besten Kräfte zur Entscheidungsschlacht im Finsterwald. Viele tapfere Wächter des Reiches ließen in dieser Schlacht zum Schutz der Bürger ihr Leben. Beim Rückzug der Wächter kam es an der Weststraße zum finalen Schlagabtausch mit den Orks. Ein roter Drache, der zuvor schon von einigen Bürgern des Reiches gesichtet wurde, beendete die Schreckensherrschaft der Orks im Finsterwald und zerstörte mit seinem Feueratem auch den Turm der Gilde bis auf die Grundmauern.

Noch während sich das Reich von der Bedrohung durch die Orks erholte, bewahrheiteten sich die Gerüchte um die Rückkehr des Königs. 925 nach Eldarans Fall bestieg sein Erbe Sedoran I. den Thron in der Feste Vilgarim, wo Hauptmann Shania Lisanis und Hauptmann Markus zu Heldin ihm die Treue schworen und die Regierungsgewalt in seine Hände legten.
Nach dem Verschwinden der Orks florierte der Handel mit den Calshiten und Zwergen mehr denn je und das Reich mehrte abermals seinen Wohlstand. Als die Calshiten 931 nach Eldarans Fall den Weg zur zerstörten Stadt Cendaric ebneten, drangen auch vermehrt Nachrichten aus Tarsik und Heragon in das seldarische Reich.

Mit dem neu gewonnen Wohlstand gab König Sedoran I. den Bau eines Tempels für die Fünf bekannt. Im Jahr 932 erfolgte der Spatenstich und der Bau sicherte vielen Handwerkern, Tagelöhnern und Gläubigen eine feste Arbeit und lockte zahlreiche Geistliche, Handwerker und anderes Gesinde verschiedenster Völker ins seldarische Reich.

Möge der Tempel ein Symbol für die Kraft und den Glanz des Reiches sein und möge das Zeitalter der Hoffnung noch lange andauern.

Written by Seldar Staff on Mittwoch 12 Februar 2014
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